Der Walter-Eucken-Preis wird von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena im zweijährigen Rhythmus an Nachwuchswissenschaftler der Volkswirtschaftslehre vergeben. Die Fakultät hat die Absicht, mit dem Walter-Eucken-Preis weitere Impulse für die Förderung der Forschung und wissenschaftlichen Arbeit junger Wissenschaftler bis 35 Jahre) zu setzen, in deren Forschung wirtschaftspolitisch relevante Fragestellungen mit sehr guter theoretischer Fundierung und eventuell empirisch gestützt behandelt werden. Der Walter-Eucken-Preis, der vor 2011 zuletzt 1999 vergeben wurde, ist nach einem der geistigen Väter der Sozialen Marktwirtschaft und Begründers der ordoliberalen "Freiburger Schule" benannt. Eucken war geborener Jenenser und Sohn des Philosophen und Nobelpreisträgers für Literatur, Rudolf Eucken. Möglich wurde die erneute Ausschreibung des mit 5.000 Euro dotierten Preises durch eine Förderung der Sparkassenstiftung Jena-Saale-Holzland sowie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die Zusage für die kommenden Jahre liegt bereits vor.
Bereits 1992 beschloss die Fakultät, den Walter-Eucken-Preis für das Jahr 1994 auszuschreiben. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ermöglichte die Finanzierung des Preises für die Jahre 1994, 1996 und 1998 durch die Dr. Jörg Bankmann Stiftung. Damals wurde die Ausschreibung thematisch stärker eingegrenzt, als dies im Jahre 2011 der Fall ist. So lautete das Motto des Preises 1994: "Herausforderung Osteuropa: Ordnungspolitische Leitbilder im Lichte der gesamtwirtschaftlichen Transformationsprozesse in den Ländern Osteuropas". Die Preisträger waren Franz Keilhofer aus Passau (1. Platz), Martin Leschke mit Dirk Sauerland aus Münster sowie Stefan Voigt aus Jena (2. Platz) und Joachim Ahrens aus Göttingen (3. Platz), die jeweils Aufsätze eingereicht hatten. Das Motto für das Jahr 1996 wurde modifiziert: Herausforderung Europa: Ordnungspolitische Leitbilder im Lichte der gesamtwirtschaftlichen Integrationsprozesse in den Ländern Europas". Den Preis gewannen Dirk Hannowsky und Andreas Renner aus Freiburg. Schließlich wurde im Jahre 1998 die dritte Ausschreibung unter dem Motto "Ordnungspolitische Herausforderungen in einer Weltwirtschaft im Wandel" vorgenommen. Gemeinsame Preisträger waren Markus Taube aus München sowie Stefan Okruch aus Bonn.
Es ist erwähnenswert, dass die überwiegende Mehrzahl der Preisträger heute anerkannte und international arbeitende Kollegen sind. Der Walter-Eucken-Preis hat sich damit als ein Prognoseinstrument für zukünftige Karrieren bewährt. Es ist zu hoffen, dass sich diese Tendenz fortsetzt und auch die Preisträger der Jahre 2011 und danach zukünftig eine wichtige Rolle in der Wissenschaft spielen werden.
Im Jahre 2009 gründete sich die Jenaer Allianz, nachdem am 20. und 21. Juni 2008 eine gemeinsame Veranstaltung der die Allianz tragenden Institutionen mit der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät zum 60. Jubiläum der Wirtschafts- und Währungsreform in Westdeutschland große Aufmerksamkeit erringen konnte. Die Allianz beschloss, nicht nur auf zukünftigen Tagungen zusammenzuarbeiten, sondern auch durch die Verleihung zweier Preise (den Ordo-Preis und den Walter-Eucken-Preis) die Bedeutung der Ordungspolitik für Freiheit und Wohlstand herauszustellen. Mit der Unterstützung der Sparkassenstiftung Jena-Saale-Holzland sowie der Gesellschaft der Freunde und Förderer des FSU wurde im Sommer 2010 der Walter-Eucken-Preis ausgeschrieben (Link zur Ausschreibung). Aus einigen sehr hochkarätigen Bewerbungen wurde Herr Dr. Christian Hagist von einer sechsköpfigen Jury (die Kollegen Koschmieder, Windisch, Fritsch und Freytag, Kollege Michael Wohlgemuth vom Walter-Eucken-Institut, Freiburg, sowie Martin Fischer von der Stifterin) einhellig ausgewählt. Am 18. Februar 2011 wurde der Walter-Eucken-Preis 2011 aus der Hand des Rektors der Friedrich-Schiller-Universität, Prof. Dr. Klaus Dicke, unter der Schirmherrschaft der Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen, Frau Christiane Lieberknecht, im Rahmen des 2. Jenaer Konvent an Herrn Dr. Hagist verliehen.
Herr Dr. Christian Hagist (Laudatio) wurde am 3. Januar 1978 in Freiburg geboren. Nach dem Abitur 1997 in Weil am Rhein absolvierte er seinen Zivildienst ebendort und nahm im Oktober 1998 das Studium der VWI in Freiburg auf, das er im Frühherbst 2003 mit dem Grad des Diplom-Volkswirts abschloss. Während des Studiums verbrachte er ein Semester in Madion/Wisconsin. Von 2003 bis 2008 arbeitete Christian Hagist als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Freiburg am Institut für Finanzwissenschaft bei Herrn Kollegen Raffelhüschen, wo er seit Juni 2008 als akademischer Rat tätig ist. Seine Promotion zum Thema "Demography and Social Health Insurance - An International Comparison Using Generational Accounting" schloss er 2007 mit dem Prädikat summa cum laude ab.
Damit ist auch das Forschungsgebiet von Dr. Hagist vorgestellt. Er arbeitet im Bereich der Altersvorsorge und der Gesundheitsökonomik, letzteres auch interdisziplinär und sehr erfolgreich in medizinischen Journalen.
Während der letzten Jahre war Hagist mehrfach im Ausland, so in Bergen/Norwegen und in Boston; dort um mit Prof. Kotlikoff, einem der Gründervater der Generationenbilanzierung zusammenzuarbeiten. Es sind einige Aufsätze mit Kotlikoff erschienen. Hagist hat zahlreiche Stipendien erhalten, so z.B. von der Studienstiftung des deutschen Volkes, dem DAAD und der Ruhrgas sowie den Friedrich-August-von Hayek-Preis seiner Fakultät für die Dissertation.
Gründe für die Preisverleihung: Erstens ist das Forschungsgebiet des Christian Hagist ein aktuelles: Die Nachhaltigkeit der sozialen Sicherungssysteme wird immer wichtiger. In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit in der Politik weitgehend fehlt, ist es wichtig, dass gerade junge Menschen sich mit der Nachhaltigkeit befassen. Das sollte den Entscheidungsträgern zu denken geben. Zweitens ist diese Forschung modern; sie trägt Früchte in Form von sehr guten Artikeln in anerkannten Fachzeitschriften. Hagist publiziert viel, für sein "jugendliches" Alter sogar sehr viel. Er arbeitet theoriebasiert, mit empirischen Methoden und politikrelevant - genau wie für den Walter-Eucken-Preis gefordert. Drittens arbeitet Hagist teamorientiert und interdisziplinär. Mehr noch: Er ist viertens auch in der Lage, seine Forschungsergebnisse in der Öffentlichkeit und in der Politik zu präsentieren, so in Tageszeitungen (u.a., FAZ, The Economist), Funk und Fernsehen sowie in Anhörungen im Deutschen Bundestag und auf Fachtagungen. Er schließt sich nicht im Elfenbeinturn ein, sondern er geht in die Öffentlichkeit. Allerdings ist Hagist fünftens weit davon entfernt, einen politischen Glaubenskampf zu führen. Diese Arbeiten sind nämlich dadurch gekennzeichnet, dass sie auf solider Forschung beruhen und sachlich daherkommen. Das macht sie so attraktiv für Wissenschaftler und so unangenehm für die Besitzstandswahrer in der Politik.
Zusammenfassend: Die Fakultät zeichnet einen jungen Wissenschaftler aus, der wirtschaftspolitische Relevanz mit theoretischer Eleganz verbindet, der bereits ein knappes Dutzend referierter Artikel, einige Bücher sowie etliche weitere Publikationen aufweist, der sich in aktuellen Debatten tummelt, der mit Kollegen aus der eigenen und anderen Disziplinen konstruktiv zusammenarbeitet. Mit anderen Worten. Er erfüllt die Kriterien, die in der Fakultät vor der Ausschreibung in Abstimmung mit dem Stifter und der Universitätsleitung festgelegt hat, in besonderem Maße.
Für das Jahr 2013 ist beschlossen, den Preis wiederum auszuschreiben. Der 3. Jenaer Konvent soll am 24. Mai 2013 in Jena stattfinden. Die Ausschreibung des Preises ist für den Sommer 2012 vorgesehen.